Theologie
minderheitlich werden – eine Denkfigur zur Kirchenentwicklung
Wie lässt sich Gemeinschaft minderheitlich denken, also jenseits von mehrheitlichen Standards wie Zugehörigkeit (Sein, Blut, Volk), Mitgliedschaft (Einschluss, Ausschluss) oder Ausrichtung auf ihr eigenes Werk (Produktion, Zweck, Interesse)?
In einem seiner letzten Interviews beschrieb der französische Philosoph Jean-Luc Nancy solche Gemeinschaft als eine Gemeinschaft, die sich dessen „bewusst wäre, dass sie keine gemeinsame Substanz hätte, dass sie eben keine Sache gemeinsam hätte, keine Rasse, keine Nation, nicht einmal ein Aggregat, aber ein Teilen (partage), eine Zirkulation, ein Teilen von Sinn (sens).“
Angesichts der aktuellen Weltlage nimmt eine solche Gemeinschaft vielleicht am ehesten als eine „Solidarität der Erschütterten“ konkrete Gestalt an, wie sie der tschechische Philosoph und Sprecher der Charta 77, Jan Patočka, beschrieb.
Dietrich Sagert