Diaspora-Kirchen als Brückenbauer: Chancen und Herausforderungen in der deutschen Gesellschaft
EKD, EKBO und Berliner Missionswerk treffen Vertreter orientalischer orthodoxer Kirchen in Berlin
Wie prägt das Leben in der Diaspora die Kirchen – und welchen Beitrag leisten sie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines hochrangigen Treffens zwischen Vertreter*innen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Berliner Missionswerk mit dem Oberhaupt der Malankara Orthodox-Syrischen Kirche Indiens. An dem Dialog nahmen führende Repräsentanten orientalischer orthodoxer Kirchen in Deutschland, der koptisch-orthodoxen, syrisch-orthodoxen, äthiopisch-orthodoxen, armenisch-apostolischen sowie der Malankara Orthodox-Syrischen Kirche Indiens teil.
Das Oberhaupt der Malankara Orthodox-Syrischen Kirche Indiens, Seine Heiligkeit Baselios Marthoma Mathews III betonte den Wert der kulturellen Erfahrungen, die die Kirchenmitglieder in der Diaspora machen. Es gebe einen lebendigen Austausch mit der Mutterkirche über Themen wie Inklusivität, Diversität, Menschenrechte und demokratische Partizipation. Auch die ökumenischen Beziehungen der Diaspora bereicherten die Malankara-Kirche in Indien.
„Christliche Gemeinden in der Diaspora sind nicht nur Bewahrer alter Traditionen, sondern auch Brückenbauer“, betonte Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der EKD. „Wir haben es ganz persönlich in den bewegenden Begegnungen untereinander erlebt: Sie bringen vielfältige Perspektiven sehr bereichernd in unsere Gesellschaft ein – so besonders im interkulturellen Dialog oder im Engagement für soziale Gerechtigkeit.“
Viele dieser Kirchen investieren große Anstrengungen in die Unterstützung von Integrationsprojekten, darunter Sprachkurse, soziale Beratung oder Hilfen zur Anerkennung von Berufsqualifikationen. Dabei arbeiten sie unter anderem mit evangelischen Einrichtungen und Diakonie-Organisationen zusammen.
Trotz ihrer Vielfalt in der religiösen Ausrichtung so wie auch der Größe der Diasporagemeinden, beschreibt Augin Yalcin, Diakon der Syrisch-Orthodoxen Kirche: „Die Erfahrung als Minderheit verbindet uns. Unsere Kirchen sind für viele Menschen, die nach Deutschland migrieren nicht nur religiöse Heimat, sondern auch Orte der Identität und Integration.“
Deutschland ist für viele christliche Gemeinschaften aus dem Nahen Osten, Afrika und Indien zu einem wichtigen Zentrum geworden. Während in den Herkunftsländern religiöse Minderheiten oft unter Druck stehen, bieten die deutschen Diaspora-Gemeinden Raum für den Erhalt ihrer kulturellen und spirituellen Traditionen. Gleichzeitig stehen sie vor der Herausforderung, ihre Identität in einer zunehmend säkularen Gesellschaft zu bewahren.
Die Dialogbegegnung unter dem Titel „Die Bedeutung der Diaspora für die Kirchen“ fand vom 26. bis 28. März in Berlin statt.
Hintergrund: Diaspora bezeichnet Gemeinschaften, die außerhalb ihres ursprünglichen Heimatlandes leben und ihre kulturelle, sprachliche oder religiöse Identität in einem neuen Umfeld bewahren und weiterentwickeln.
Hannover, 28. März 2025
Pressestelle der EKD
Lisa Schaube