Bischof Adomeit: „Flagge zeigen und den Mund auftun“

Neuer Oldenburger Bischof offiziell ins Amt eingeführt

EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm segnet den neuen Oldenburger Bischof Thomas Adomeit zur Amtseinführung

Der neue oldenburgische Bischof Thomas Adomeit wird vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in der St. Lambertikirche in sein Amt eingeführt und vor 800 Besuchern gesegnet.

Mit einem feierlichen Gottesdienst ist der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit am Mittwochabend in sein neues Amt eingeführt worden. In seiner Predigt rief er Christinnen und Christen auf, in der Welt politische Verantwortung zu übernehmen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, segnete den 48-jährigen Theologen vor rund 800 Besuchern in der voll besetzten St. Lambertikirche ein. Anschließend legte er ihm das Bischofskreuz als Zeichen seines neuen Amtes um.

Ein Bischof müsse Orientierung geben, als Brückenbauer zwischen Menschen in der Gesellschaft wirken und die Kirche zusammenhalten, sagte Bedford-Strohm. Dafür bringe Adomeit „biografisch und geografisch die besten Vorausstetzungen mit“. Adomeit wurde in Stuttgart geboren, in Augsburg getauft und in Fulda konfirmiert. In der Landeskirche Hessen-Nassau legte er sein Erstes Theologisches Examen ab, und später wurde er in Oldenburg Pastor.

Zu Beginn des Gottesdienstes war der neue Bischof gemeinsam mit mehr als 100 Pastorinnen und Pastoren der oldenburgischen Kirche und nahezu allen 60 Mitgliedern des Kirchenparlamentes, der Synode, unter festlichen Bläserklängen in die Kirche eingezogen. Adomeit war im September 2018 von der Synode gewählt worden.

„Christsein zeigt sich konkret in den politischen Verhältnissen“

In seiner Predigt betonte Adomeit, dass Christen auch politische Verantwortung übernehmen müssten: „Ein christliches Leben wird immer nach außen in die Welt strahlen.“ Dies bedeute, dass Christen ihre Stimme etwa gegen die Abschottung gegenüber Flüchtlingen, die zu niedrigen Pflegeentgelte oder gegen Gewalt als politische Lösung in Konflikten erheben müssten.

Christsein zeige sich konkret in den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen, unterstrich der Bischof. „Flagge zeigen, den Mund auftun, ja, das müssen wir.“ Es sei nicht hinnehmbar, wenn bestimmte Kräfte „unser Land, unser Miteinander, unsere demokratische Erfolgsgeschichte, unser friedliches Miteinander in Europa mit Parolen schlechtreden und kaputt machen“.

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Für die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen gratulierte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister dem neuen Bischof. „Gerade in den Zeiten, in denen wir Risse und manche tiefe Spaltungen innerhalb unserer Gesellschaft und zwischen Ländern sehen, wird deutlich, wie wichtig der Zusammenhalt der Kirchen ist“, sagte er. Dem schloss sich der Bischof des katholischen Bistums Münster, Felix Genn, an. Wenn die Stimme der Kirchen von der Gesellschaft nicht mehr automatisch nachgefragt werde, „müssen wir unsere Stimme möglichst gemeinsam erheben“, betonte Genn.

Winkelmaß, das Attribut des Apostels Thomas, als Geschenk überreicht

Die Präsidentin der oldenburgischen Synode, Sabine Blütchen, zitierte aus der oldenburgischen Kirchenordnung: „Es ist die Aufgabe unseres Bischofs, darüber zu wachen, dass das Wort der Kirche vor Volk und Staat laut wird.“ Außerdem müsse der Bischof die schwierigen Prozesse in der Kirche angesichts des demografischen Wandels und der langfristig sinkenden Kirchensteuern begleiten.

Blütchen schenkte Adomeit ein Winkelmaß, das Attribut des Apostels Thomas. Sie wünschte ihm stets ein gutes Maß beim Abwägen von Argumenten und Meinungen. Die Gratulation der niedersächsischen Landesregierung überbrachte Staatssekretär Stefan von der Beck.