Nutztier und Mitgeschöpf!

Tierwohl, Ernährungsethik und Nachhaltigkeit aus evangelischer Sicht. Ein Impulspapier der Kammer für nachhaltige Entwicklung, EKD-Text 133, September 2019

3. Zum Verhältnis von Mensch und Tier in globaler Perspektive – Der Zusammenhang von Welternährung, Fleischkonsum und Nachhaltigkeit im Kontext planetarischer Grenzen

3.1     Heilige Kühe und essbare Schlangen – unterschiedliche Traditionen im Mensch-Tier-Verhältnis

Fragen des Mensch-Tier-Verhältnisses sind zutiefst kulturell und zum Teil religiös mitbestimmt. Sobald wir uns dem globalen Kontext des Verhältnisses zu Nutztieren zuwenden, wird auch die interkulturelle Vielschichtigkeit von Einstellungen und Ernährungsgewohnheiten präsent: Kühe sind den Hindus heilig, weil sie den Menschen mit allem Lebensnotwendigen versorgen (»Die fünf Heiligen Gaben der Kuh«). Hindus dürfen daher keine Kühe schlachten oder essen. Kühe sind mit Respekt zu behandeln wie viele andere Tiere auch, weil die hinduistische Tradition lehrt, dass Gott in jedem Lebewesen wohnt und auch die Seele mancher Menschen in einem Tier wiedergeboren werden kann. Das hinduistische Konzept von »Ahimsa« – d. h. das Prinzip von Nicht-Verletzen bzw. Gewaltlosigkeit – ist sehr zentral und trägt seit Jahrtausenden dazu bei, dass Vegetarismus in dieser religiösen Tradition (vor allem in Süd-Indien) weit verbreitet ist. Im Islam und in Ägypten gelten unter anderem Katzen als heilig und im Sufismus wird der Vegetarismus als ideale Lebensform angesehen.[85] In China und Thailand hingegen werden neben vielen Meerestieren auch Schlangen, Hunde und Ratten gegessen, in mehreren asiatischen Ländern isst man frittierte Insekten.[86] Es gibt also keine universal gültigen Speisetabus in den Kulturen der Welt. Vielmehr sind Ernährungsstile und -gewohnheiten kulturell und regional vermittelt und geprägt.

In vielen Kulturen oder Religionen existieren traditionelle Speiserituale oder -regeln, die immer mit Unterscheidungen zu tun haben. Am stärksten ist diese Tradition in der jüdischen Religionsgeschichte – und dann folgend in den christlichen und muslimischen Traditionen ausgebildet. Zu den bekanntesten und kulturgeschichtlich bedeutendsten Speisegeboten gehört das Verbot des Blutgenusses in der Tora, dem jüdischen Gesetz im Alten Testament.[87] Danach wird die im Körper belebte Seele durch das Blut repräsentiert, weshalb es nicht verzehrt, sondern beim Schlachten auf die Erde gegossen wird. Schlachtvieh soll geschächtet werden (siehe Kasten 11 »Schächten«). Darin zeigt sich ein tiefer Respekt vor allem Lebendigen, ebenso wie in der Unterscheidung von »reinen« und »unreinen« Speisen. Die alten religiösen Traditionen der kultischen Beschränkung, Regulierung und Selektierung von Tieren bzw. Tierarten im Blick auf Schlachtung und Verzehr signalisiert ein tiefes menschheitliches Wissen um die notwendige Begrenzung des Zugriffsrechtes des Menschen auf das Leben von Tieren. Solche traditionellen religiösen Wertebezüge, die in archaischen Zeiten den Fleischkonsum reguliert und begrenzt haben, spielen in säkularisierten Gesellschaften der Moderne und den veränderten Rahmenbedingungen industrialisierter Fleischproduktion allerdings immer weniger eine Rolle. Das archaische Wissen der Menschheit um Begrenzung und Regelung des Genusses von anderen lebendigen Wesen hat sich durch die Folgen der Industrialisierung und Automatisierung der Tierhaltung und -produktion verdünnt bzw. ist zurückgetreten.


Kasten 10: Schlachten

Im Jahr 2016 wurden in deutschen Schlachtunternehmen 59,3 Millionen Schweine, 3,6 Millionen Rinder und 632 Millionen Hühner geschlachtet. In Deutschland ist das Schlachten durch die Tierschutz-Schlachtverordnung von 2012 geregelt. Zum Betäuben und Töten von Tieren ist ein entsprechender gesetzlich geregelter Sachkundenachweis notwendig. Amtstierärzte überwachen per Schlachttier- und Fleischuntersuchung stichprobenartig die Schlachthöfe.

In Deutschland ist eine wirksame Betäubung vor dem Blutentzug zwingend vorgeschrieben. Die Betäubung soll die Tiere bis zu ihrem Tod in einen anhaltenden Zustand der Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit versetzen. Dadurch sollen die Tiere vor unnötigen Schmerzen und Leiden geschützt werden.

Die Betäubungsmethoden richten sich nach der jeweiligen Tierart: Große Tiere mit starken Schädeldecken wie Rinder werden per Bolzenschussapparat betäubt. Bei Schweinen, Schafen und Geflügel erfolgt eine elektrische Betäubung, die zu Bewusstlosigkeit führt. Schweine und Hühner werden außerdem zunehmend durch das Gas Kohlendioxid betäubt. Die Tiere leiden dabei jedoch häufig unter Atemnot oder Erstickungsangst. Der Einsatz des Edelgases Helium ist für die Schweine stressreduzierender, jedoch auch teurer. Forschungsarbeiten zu dem Thema laufen.

Die Tiere werden nach dem Betäuben zumeist an Rohrbahnen an den Beinen aufgehängt. Dann erfolgt der eigentliche Tötungsakt, indem den Tieren ein tödlicher Messerstich am Hals oder im Brustbereich versetzt wird (»Stechen«). Ziel ist das Treffen von großen Schlagadern, damit bei einem sachgerechten Entblutungsschnitt ein sehr schnelles Entbluten erfolgt. Bei Schweinen werden nach der Tötung in einer Brüh- und Enthaarungsmaschine die Borsten entfernt. Masthühnern werden per heißem Wasserbad die Federn entfernt.

Häufige Fehlbetäubungen – ein gravierender Verstoß gegen das Tierschutzrecht: Laut Bericht der Bundesregierung von 2012 werden in Deutschland jährlich rund 70 Millionen Geflügel, sechs Millionen Schweine, 350.000 Rinder und 100.000 Schafe beim Schlachten fehlbetäubt. Ungefähr 9 % der Schlachttiere waren nicht richtig betäubt. Schweine wurden z. B. noch lebend in die Brühvorrichtung mit sehr heißem Wasser geworfen. Bei Rindern musste ein zweites Mal mit dem Bolzenschussgerät der Stirnknochen durchschossen werden.

Schlachten ist Akkordarbeit: Bei einer Schlachtleistung von 750 Schweinen/Std. pro automatischer Betäubungsanlage hat der Schlachter für die Ausführung des Entblutestichs ca. 5 Sekunden Zeit. Bei Anlagen, in denen 80 Rinder/Std. geschlachtet werden, stehen für die Ausführung der Betäubung (einschließlich des Auswurfs aus der Falle) sowie für das Setzen des Entblutungsschnitts jeweils maximal 45 Sekunden zur Verfügung. Die hohen Fehlbetäubungsraten lassen sich durch eine Begrenzung der Schlachtgeschwindigkeit, technische Möglichkeiten der Fehleranzeige, bessere Arbeitsbedingungen der Schlachter, regelmäßige Betäubungskontrollen sowie wiederkehrende Tierschutzaudits stark reduzieren.

Verbesserungen möglich – politischer Wille nötig: Bei den Schlachtanlagen sind bauliche und technische Verbesserungen nötig. Wichtig sind jedoch vor allem eine Beseitigung der Defizite bei der amtstierärztlichen Überwachung und eine Ausweitung der direkten Weisungsbefugnisse der Tierschutz- und Qualitätsbeauftragten der Schlachtereibetriebe. Zudem ist eine große Verbesserung der Sachkunde der Schlachter nötig. Oft handelt es sich dabei um Osteuropäer, welche im absoluten Niedriglohnsektor arbeiten, oftmals unbezahlte Überstunden zu leisten haben und außerdem hohe Sprachbarrieren aufweisen.

Quellen: Deutscher Bundestag Drucksache 17/10021 17. Wahlperiode 15. 06. 2012 der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/9824 – Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren // Bundestag Drucksache 18/12519 18. Wahlperiode 29.05.2017 // Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/12228 – Tierschutz bei der Tötung von Nutztieren // Gutachten »Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung« 2015.


Kasten 11: Schächten

Bei der Beurteilung des Schächtens (betäubungsloses Schlachten warmblütiger Tiere nach jüdischem oder muslimischem Ritus) handelt es sich um eine sehr komplexe und gesellschaftlich strittige Frage. Sowohl Religionsfreiheit als auch Tierschutz besitzen Verfassungsrang.

Eine Studie kam 2007 zu dem Ergebnis, dass Ausnahmegenehmigungen für das Schächten verfassungsgemäß sind. Schächten ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz bei einem »zwingenden Grund« erlaubt, wozu zwingende Ernährungsvorschriften der jüdischen oder muslimischen Religionsgemeinschaften gehören (u. a. auch Bezug zum muslimischen Opfer- und jüdischen Passahfest). Im Frühjahr 2018 hat die Bundesregierung die Position des Vorrangs der Religionsfreiheit bestärkt. Es gibt jedoch auch gegenläufige Positionen des Bundesverwaltungsgerichts, nachdem das Schächten nicht erlaubt werden sollte, solange eine Religion eine vegetarische Ernährungsweise erlaubt. Das ist bei Juden wie Muslimen der Fall.

Schächten ist in der Praxis nur mit einer zu erwerbenden Ausnahmegenehmigung der Bundesländer bzw. der zuständigen Veterinärbehörden erlaubt. Genauere Zahlen zu der bundesweiten jährlichen Anzahl der geschächteten Tiere liegen nicht vor.

Schächten ist jedoch weiterhin stark umstritten. Sowohl die Bundestierärztekammer als auch zahlreiche Tierschutzorganisationen verweisen per wissenschaftlicher Gutachten auf die erhebliche Angst, Leiden und Schmerzen betäubungslos geschlachteter Tiere.

Es wird u. a. auch auf Alternativen wie Schächtung bei Elektro-Kurzzeitbetäubung von ca. 25 Sekunden verwiesen. Sowohl in den jüdischen als auch in muslimischen reform­orientierten Kreisen werden solche Alternativen diskutiert.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Mai 2018 entschieden, dass die rechtliche Beschränkung des Schächtens auf bestimmte Schlachthöfe nicht gegen die in Europa geltende Religionsfreiheit verstößt. Geklagt hatten islamische Vereinigungen und Moschee-Dachverbände aus Belgien, weil die Regierung in der Region Flandern rituelle Schlachtungen ohne Betäubung in temporären Schlachtstätten 2016 verboten hatte.

Quellen: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages 2007: Schächten. Das verfassungsrechtliche Spannungsfeld zwischen Religionsfreiheit und Tierschutz. Ausarbeitung; https://www.swr.de/­swraktuell/EuGH-Urteil-zum-Schaechten-die-religioese-und-politische-Bedeutung,schaechten-eugh-urteil-100.html.


3.2     Überernährung – Unterernährung – Fehlernährung: Diskrepanzen im durchschnittlichen Fleischkonsum zwischen Norden und Süden

In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich die globale Fleischproduktion vervierfacht. Im Jahr 1961 betrug die weltweite Produktion 71 Millionen Tonnen Schlachtgewicht. 2017 waren es 322 Millionen Tonnen. Die Rindfleischproduktion hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt, die Schweinefleischproduktion vervierfacht und die Mastgeflügelproduktion verzehnfacht.[88] Die globale Milchproduktion hat sich ebenfalls verdoppelt (von 1962: 347 Mio. t auf 2012: 754 Mio. t). Bekannt geworden sind die dramatischen Zahlen mit Blick auf das verschobene Gleichgewicht hinsichtlich der globalen Biomasse der Säugetiere. In einer Studie von 2018 wurde die globale Biomasse in Form von Gigatonnen Kohlenstoff berechnet. Bei dieser Form der Biomasse-Berechnung entfällt bei den weltweiten Säugetieren 60 Prozent auf Nutztiere, 36 Prozent auf Menschen und bloß noch 4 Prozent auf Wildtiere. Bei Vögeln machen Wildvögel 30 Prozent der Biomasse aus und domestiziertes Geflügel 70 Prozent.[89] Was steht hinter solchen gewaltigen Steigerungsraten?

Die Überzeugung westlicher Gesellschaften (Westeuropa und Nordamerika) in den Nachkriegsjahrzehnten, nachdem die Zunahme von fleischlichen Erzeugnissen und von tierischen Produkten (Milch und Molkereierzeugnisse) als der entscheidende Beleg für die verbesserten wirtschaftlichen Lebensverhältnisse der Bevölkerung gewertet wurde, hat sich in den ersten zwei Entwicklungsdekaden nach den 1960er Jahren gewissermaßen globalisiert: Fleischkonsum wurde zum universalen Wohlstandsindikator.

Der »Hunger auf Fleisch« hat weltweit stark zugenommen.[90] Experten erwarten, dass die Fleischproduktion bis zur Mitte des Jahrhunderts von 300 Millionen auf 480 Millionen Tonnen im Jahr ansteigen wird. Dies bleibt nicht ohne gewaltige Auswirkungen auf die Umweltsituation: Die Erzeugung von Fleisch wäre dann für mehr als die Hälfte aller Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich.[91] Auf allen Kontinenten der Welt – mit Ausnahme Afrikas – hat der Konsum von Fleisch in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen, vor allem in einigen Entwicklungs- und Schwellenländern und dies vor allem durch steigende Kaufkraft. Die BRICS-Länder umfassen ca. 40 Prozent der Weltbevölkerung. Urbanisierung und Statussymbolcharakter befördern den Fleischkonsum.[92] Während der globale durchschnittliche Fleischverzehr pro Kopf pro Jahr am Anfang des 19. Jahrhunderts bei etwa 10 kg lag, erhöhte sich dieser bis 2013 auf etwa 42 kg, liegt in den USA sogar bei 118 kg/Jahr.[93] Dabei gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede in den Verbrauchsraten zwischen urbanen Zentren und ländlichen Regionen.[94] Die Frage, wie der globale Fleischkonsum sowie die Nahrungsmittelproduktion insgesamt innerhalb der planetarischen Grenzen gehalten werden kann, wird deshalb immer intensiver diskutiert.[95]


Kasten 12: Globale Flächennutzung durch Nutztiere

Die Tierhaltung ist der größte Flächennutzer der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche durch Beweidung von Grünland und Anbau von Ackerbaufrüchten als Viehfutter.

Grünland

Weltweit gibt es 5,0 Milliarden Hektar Agrarflächen. Etwa zwei Drittel davon ist Dauergrünland (3,55 Mrd. ha).1 Viele naturräumlich benachteiligte Grünland-Gebiete wie Gebirge, Steppen etc. sind nicht für den Ackerbau geeignet, haben aber eine große ökologische Bedeutung.2 Erst durch maßvolle Weidetierhaltung werden diese Gebiete für die menschliche Ernährung nutzbar. Dort ist die Nutztierhaltung essentiell für die stabile Ernährung der lokalen Bevölkerung. Gleichzeitig wird durch eine standortangepasste Beweidung ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der lokalspezifischen Biodiversität geleistet.

Bei Grünland besteht keine direkte Konkurrenz zur menschlichen Ernährung, da Gras etc. erst über die Wiederkäuer in hochwertige Nahrungsmittel wie Fleisch und Milchprodukte umgewandelt werden kann.3 Laut FAO zeigen neuere Ergebnisse, dass die Konkurrenz zwischen Trog und Teller geringer als früher zu bewerten ist. Ungefähr 80 % des weltweit eingesetzten Tierfutters ist nicht direkt für die menschliche Ernährung geeignet. Für die Herstellung von einem Kilogramm Fleisch von Wiederkäuern werden 2,8 kg an für Menschen geeignetem Futter eingesetzt, bei monogastrischen Tieren wie Schweinen ist der Betrag 3,2 kg. Für die Tierhaltung wird ein Drittel der weltweiten Getreideernte und etwa 40 % des Ackerlandes eingesetzt. Die Tierhaltung nutzt 2 Milliarden Hektar Grasland.

Nachhaltigkeitsdefizite beim Grünland bestehen durch Überweidung, keine nachhaltige Wassernutzung, Brandrodung, Wüstenausdehnung etc. Es wird geschätzt, dass ein Drittel des weltweiten Grünlandes bereits stark degradiert ist. In Entwicklungs- und Schwellenländern besteht oft ein Teufelskreis aus Bodenübernutzung und Armutsverschärfung. Der Klimawandel hat in vielen Weltgegenden stark negative Auswirkungen auf die Ertragshöhe und -stabilität des Weidelandes.5 Etwa 3,2 Milliarden Menschen sind direkt von Bodendegradation betroffen. Durch Bodendegradation und die damit verbundenen Verluste an Biodiversitäts- und Ökosystemleistungen entstehen jährlich Kosten in Höhe eines Zehntels des weltweiten Bruttosozialprodukts. Maßnahmen zur Bekämpfung der Bodendegradierung zahlen sich auch ökonomisch schnell aus.6

Grundsätzlich sind resiliente agrarökologische Beweidungssysteme denkbar und möglich. Die Beweidungstätigkeit kann eine wichtige Ökosystemleistung darstellen, da unter dem Aspekt

der Biodiversität sehr wertvolle Grünlandbiotope entstehen können. Dafür sind jedoch regional angepasste Beweidungssysteme nötig, die den Biodiversitätserhalt zentral mitberücksichtigen. Großflächige Graslandnutzung kann außerdem zur Steigerung der Grundwasserneubildungsraten beitragen. Eine Verbesserung der Qualität des Graslandes kann zur Verringerung der Bodenerosion und zur verstärkten CO2-Sequenzierung durch Humusaufbau beitragen.

In einigen Regionen kann die Verbindung von Grasland und Baumbeständen über ausgereifte Agroforestry-Systeme die Resilienz des Grünlandes gegenüber Extremwetterereignissen steigern. Stickstofffixierende Leguminosen-Bäume können z. B. die Bodenfruchtbarkeit steigern. Die Bäume können als zusätzliche Einkommensquellen, Holz, Viehfutter, Energiequelle etc. dienen. Bei Grünland bestehen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern noch große zusätzliche Produktivitätspotenziale. Sinnvoll kann z. B. eine Verbesserung des Weidemanagements, Einführung neuer Sorten und Techniken, angepasster Einsatz von Düngemitteln etc. sein.7

Futteranbau

Von der internationalen Ackerlandfläche (1,44 Mrd. ha) werden nur 260 Millionen Hektar direkt für die Lebensmittelproduktion genutzt. Eine Milliarde Hektar entfallen auf Futtermittel und der Rest auf nachwachsende Rohstoffe.8 Etwa ein Drittel der weltweiten Ackerflächen sind bereits degradiert. Nach wie vor finden im größeren Maßstab Landnutzungsänderungen statt – unter anderem für den Anbau zusätzlicher Futtermittel wie Soja. Die letzten verbliebenen natürlichen Ökosysteme wie Regenwälder, Savannen und Moore werden zu Agrarflächen umgewandelt. Damit gehen massive, unwiederbringliche Biodiversitätsverluste einher. Riesige klimarelevante Emissionen entstehen durch den Abbau von Humus. Häufig sind die so entstandenen Ackerflächen nur für wenige Jahre landwirtschaftlich erfolgreich nutzbar und danach auf Dauer vollständig unfruchtbar.

The Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) beschreibt in einer umfassenden Studie, dass derzeit noch weniger als ein Viertel der Landfläche der Erde überwiegend von menschlichen Einflüssen unberührt ist. Es wird prognostiziert, dass bis 2050 der unberührte Anteil auf unter 10 % fallen wird. Und das werden für menschliche Nutzung ungeeignete Gebiete wie Gebirge, Wüsten oder Polarregionen sein.9
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1    UBA (2013): Globale Landflächen und Biomasse nachhaltig und ressourcenschonend nutzen; https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/globale_landflaechen_und_biomasse_kurz_deutsch_bf.pdf.

2    World Commission on Protected Areas (2010): World Grasslands and Biodiversity Patterns; https://www.iucn.org/sites/dev/files/content/documents/world_grasslands_and_biodiversity_patterns_nature_serve_2010.pdf.

3    FAO (2018): More Fuel for the Food/Feed Debate. New FAO Study indicates that livestock primarily consume foods not fit for human consumption and meat production requires less cereals than generally reported; http://www.fao.org/ag/againfo/home/en/news_archive/2017_More_Fuel_for_the_Food_Feed.html.

4    FAO (2017): Anne Mottet et al.: Livestock: On our plates or eating at our table? A new analysis of the feed/food debate; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2211912416300013.

5    FAO (2015): Status of World´s Soil Ressources. Chapter 4. Soils and Humans; http://www.fao.org/3/a-bc593e.pdf.

   Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) (2018): Worsening Worldwide Land Degradation Now ‚Critical’, Undermining Well-Being of 3.2 Billion People; https://www.ipbes.net/news/media-release-worsening-worldwide-land-degradation-now-‘critical’-undermining-well-being-32.

7    FAO (2018): Transforming the livestock sector through the Sustainable Development Goals; http://www.fao.org/3/CA1201EN/ca1201en.pdf.

8    S. Fußnote 1.

9    S. Fußnote 6.


Hoher Fleischkonsum ist dabei zugleich ein entscheidender (wenngleich nicht der einzige) Faktor für die massenhafte Verbreitung von Phänomenen der Über- und Fehlernährung, die einen Höhenrekord erleben: Weltweit waren 2014 gut 1,9 Milliarden Erwachsene übergewichtig, davon 600 Millionen krankhaft fettleibig (adipös). Diese »globale Adipositas-Epidemie« – so die WHO – breitete sich rasant aus, zunehmend auch in armen Ländern. Zu energiereiche Ernährung bei mangelnder Bewegung ist die Ursache. Der weltweite Anteil der fettleibigen Erwachsenen hat sich zwischen 1980 und 2014 verdoppelt. Übergewicht gilt mittlerweile als wichtigste Ursache für Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfälle und bestimmte Krebsarten.[96] Unter-, Über- und Fehlernährung zusammen sind für die meisten nicht ansteckenden Krankheiten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen verantwortlich. Sie treffen in unterschiedlichem Maße heute gut die Hälfte der Weltbevölkerung und gehen in vielen Fällen einher mit der Entfremdung von Lebensmittelerzeugung und -verbrauch, die dann ebenso Überkonsum wie Unterversorgung mit Lebensmitteln begünstigen.[97] Auf Weltebene – und zwar ebenso für Industrie- wie auch für Entwicklungsländer – breiten sich auf Grund von Ernährungsweisen, die einseitig Fleisch- und Fettkonsum betonen bzw. grenzenlos steigern, sowie auf Grund eines chronischen Mangels an Bewegung in modernen Berufsformen degenerative Erkrankungen schnell aus. Die Prognosen und Entwicklungen sind durchaus erschreckend.[98]

Dass eine »Ernährungswende« in Verbindung mit einer agrar-ökologischen Wende tatsächlich möglich ist, und zwar sowohl auf nationaler wie auch auf globaler Ebene, wird inzwischen von internationalen Expertenteams[99] durchaus für möglich gehalten: Es ist möglich, die bis zum Jahr 2050 voraussichtlich auf der Erde lebenden zehn Milliarden Menschen gesund zu ernähren, ohne die Natur zu zerstören – auf die provokative Formel gebracht: »Iss nur 43 Gramm Fleisch pro Tag, rette die Welt.«[100]

3.3     Wollt ihr uns etwa Fleisch verbieten? – exponentielle Zunahme weltweiten Fleischkonsums als ungebremste Fortsetzung des Modells nachholender Entwicklung

Entwicklungswerke fordern seit Längerem: »Kern der Debatte muss bei allen anderen essentiellen Anstrengungen bleiben, dass eine schnelle und deutliche Reduktion des Fleischkonsums, vor allem in den Ländern des Globalen Nordens und einigen Schwellenländern mit hohem Fleischkonsum, unerlässlich ist. Nur so wird man dem Antibiotikaresistenz-Problem erfolgreich begegnen können. Gleichzeitig darf die Debatte nicht weiter auf dem Rücken der Tierhalter geführt werden. Diese sind so stark in den oligopolen Fleischproduktions- und Tierzuchtstrukturen gefangen, dass sie in vielen Fällen nur noch bedingt selbst grundlegende Entscheidungen treffen können.«[101] Doch das ist auf globaler Ebene nicht leicht zu erreichen. »Wollt ihr uns etwa Fleisch verbieten?« fragen Regierungen, die in Ländern des Südens die Agrar- und Landwirtschaft als Motor der gesellschaftlichen Wohlstandsentwicklung sehen oder die sich dem Zugriff regionaler oder globaler Agrokonzerne geöffnet haben. Der Hunger auf Fleisch nimmt weltweit nach wie vor deutlich zu.[102] Eine vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in Auftrag gegebene Studie kommt schon 2008 zu dem Ergebnis:

»In vielen Entwicklungsländern wird eine sehr kohlenhydratreiche Ernährung mit pflanzlichen Lebensmitteln (wie Getreide, Wurzeln, Knollen, Hülsenfrüchte) allmählich verdrängt. Stattdessen verbreitet sich eine fett- und proteinreichere Ernährung mit mehr tierischen Lebensmitteln (wie Fleisch, Milch, Milchprodukte, Eier) sowie mehr Zucker und Pflanzenölen. Der Anteil von tierischen Lebensmitteln, Zucker und Pflanzenölen an den gesamten Nahrungskalorien wird den Prognosen zufolge von heute 29 auf 37 Prozent im Jahr 2050 steigen.«[103]

Die nach wie vor relativ ungebrochene Gültigkeit des Modells nachholender Entwicklung in Ländern der südlichen Hemisphäre impliziert eine Fortschreibung des Modells der Wohlstandsorientierung an ungebrochen hohen bzw. steigenden Zahlen des Fleischkonsums. Der Konsum von Rind, Schwein und Geflügel steigt heutzutage gerade in den Entwicklungsländern sehr stark an – und sorgt dort für große Probleme sozialer, gesundheitlicher und ökologischer Art.[104] Das Konzept der Kopplung von Fleischkonsum mit einem industrialisiert-expansiven Wachstumsmodell ist dabei hochproblematisch, da es darauf hinausläuft, Grundprinzipien einer »Fehl-Entwicklung« der industrialisierten Moderne im Verhältnis zu den natürlichen Ressourcen und im Mensch-Tier-Verhältnis zu wiederholen, anstatt sie zu vermeiden und zu korrigieren.

Der Club of Rome hat 2007 deutlich darauf hingewiesen, dass das Modell einer globalisierten nachholenden Entwicklung, das sich am Lebensstil der Industrieländer orientiert, auf keinen Fall mehr auf alle anderen Länder übertragbar ist. Der sehr ressourcenintensive Lebensstil ist seinerzeit historisch im Kontext einer »leeren Welt« entwickelt worden. Im heutigen Kontext einer »vollen Welt«, der Überschreitung der planetarischen Grenzen, der Expansion der Zivilisation der Moderne auch noch in den letzten Winkel dieser Erde und einem nach wie vor exponentiellen Wachstum der Weltbevölkerung sind diese Wohlstandsmodelle nicht mehr tragfähig.[105] Deshalb »genügt [es] nicht, sich auf die verschiedenen Formen der Verschmutzung und des Rückgangs an Ökosystemen als Externalitäten zu beziehen. Der Übergang der Menschheit in eine volle Welt muss auch Einstellungen, Prioritäten und Anreizsysteme aller Zivilisationen auf diesem kleinen Planeten verändern.«[106]

Zugleich ist durch neuere Forschungen der Erdsystemwissenschaften zu den globalen Lebensbedingungen im Kontext des Anthropozäns[107] deutlich geworden, dass es planetarische Belastungsgrenzen für die Ressourcen-Entnahme und Veränderung der systematischen Lebensbedingungen, inklusive des Fleischkonsums auf diesem Planeten gibt, die nicht überschritten werden dürfen, wenn das Leben nachfolgender Generationen gesichert werden soll.[108] Wenn aber nicht mehr religiöse Traditionen die Reichweite und Begrenzung der menschlichen Zugriffsrechte auf tierisches Leben direkt, d. h. kultisch rückgebunden regeln, wer oder was begrenzt sie dann?

Das verstärkte Wissen um planetarische Grenzen der menschlichen Zugriffsrechte auf Natur, tierisches Leben und die Pflanzenwelt und religiöses Orientierungswissen müssen – verbunden mit verbesserten medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen – zusammenwirken, um angemessene, ethisch und ökologisch verantwortbare und gesellschaftlich konsensfähige Rahmenbedingungen für eine »Ökonomie des Genug« im Bereich des Fleischkonsums zu entwickeln.

3.4     Dann bräuchten wir mindestens drei Planeten – globale Umwelt­auswirkungen industrialisierter Nutztierhaltung

Die globalen ökologischen Auswirkungen der überproportionierten Fleischindustrie sind inzwischen weltweit sehr intensiv untersucht und dargestellt worden: Es kann zwischen fünf verschiedenen, miteinander korrespondierenden Dimensionen unterschieden werden:

a) Ackerflächenbelegung: Von der globalen Ackerfläche werden ca. zwei Drittel für den Anbau von Futtermitteln genutzt. Aufgrund der erheblichen Veredelungsverluste werden dadurch große Mengen an Lebensmitteln der direkten Ernährung der Menschen entzogen. Die Umwandlungsrate von pflanzlichen in tierische Kalorien schwankt im Idealfall zwischen 2 : 1 bei Geflügel, 3 : 1 bei Schweinen, Zuchtfischen, Milch und Eiern und 7 : 1 bei Rindern.[109] Nach einer Berechnung des UN-Umweltprogramms könnten die Kalorien, die bei der Umwandlung von pflanzlichen in tierische Lebensmittel verloren gehen, theoretisch 3,5 Milliarden Menschen ernähren. Ist der Flächenverbrauch schon durch die Prozesse von Urbanisierung und Mobilitätsentwicklung in den modernen Gesellschaften ein schwerwiegendes Problem,[110] so hat die unmäßige Flächenbelegung durch die Industrialisierung der globalisierten landwirtschaftlichen Produktion sowie insbesondere der Futtermittelimporte aus Ländern des Südens (virtueller Flächenimport) vielfach besorgniserregende Ausmaße erreicht.[111]

b) Wasserverbrauch bei der Fleischerzeugung: Etwa 30 Prozent des in der globalen Landwirtschaft verbrauchten Wassers beansprucht die Tierhaltung. Wir »essen« also erheblich mehr Wasser als wir trinken. Die Problematik des unverhältnismäßig hohen Wasserverbrauchs durch die Fleischproduktion ist mit der Plattform zum »Wasserfußabdruck« (Water Footprint Network) schon in vielen Kreisen bekannt geworden.[112] Die Frage, ob mit einem »virtuellen Wasserhandel« dem globalen Problem der Wasserkrise begegnet werden kann, wird lebhaft diskutiert.[113]

c) Einsatz von Antibiotika: Die Agrarminister der EU haben seit 2001 den Einsatz von Antibiotika in Tierfutterlieferungen zwar verboten, aber das Problem der übermäßigen Verwendung von medizinischen Arzneimitteln in der Tierhaltung besteht weiter.[114] Untersuchungen weisen darauf hin, dass es nach wie vor problematische Belastungen von bestimmten Fleischarten mit antibiotikaresistenten Bakterienstämmen gibt.[115] In diesem Zusammenhang wird u. a. durch den Bauernverband auf ein vom Gesetzgeber 2014 festgesetztes Antibiotika-Monitoring verwiesen.[116]

d) Gülletourismus und Futtermittelimporte: Je mehr Tiere gehalten werden, desto mehr tierische Exkremente fallen an. Nicht nur in Deutschland gibt es Standorte, wo der Gülleüberschuss mit seinen anfallenden Nitratbelastungen die Qualität von Grundwasser und Fließgewässern beeinträchtigt und dabei mitunter zu erheblichen Problemen auch bei der Trinkwasserversorgung führt.[117] Eine Vielzahl von Brunnen in landwirtschaftlichen Regionen weist nach wie vor eine zu hohe Nitratbelastung auf.[118] Die Fleischproduktion in Deutschland ist aus dem Ruder gelaufen: Futtermittel werden importiert, auch um verstärkt Fleisch zu exportieren, die Gülle mit Nährstoffen, die zu einem großen Teil importiert wurden, müssen in Deutschland auf den Ackerflächen verteilt werden. Dieses System stößt in einigen Regionen an seine Grenzen, da die tierhaltenden Betriebe sehr ungleich in den Regionen verteilt sind.[119] »Fleisch frisst Land« war der Titel einer groß angelegten Untersuchung des World Wide Fund For Nature (WWF), die belegte, dass die Flächenbelegung für den Fleischkonsum in Europa zum Teil in andere Kontinente wie Südamerika ausgelagert wird. Zwischen 2008 und 2010 waren dies durchschnittlich mehr als 30 Millionen Hektar, die die EU auswärtig »belegt« hat. Das entspricht in etwa der Fläche Ungarns, Portugals, Dänemarks und der Niederlande zusammen[120] oder in Deutschland einen halben Hektar pro Kuh.


Kasten 13: Gülle

In den Niederlanden ist die flächenungebundene Tierhaltung zu einem so großen Umweltproblem geworden, dass dort die Tierbestände bereits reduziert werden mussten. Im Jahr 2017 wurde in den Niederlanden die Anzahl der Milchkühe um 160.000 auf rund 1,6 Millionen Tiere reduziert (Reduktion um 9 %). Zweck war die Verringerung der sehr hohen Phosphatemissionen aus Wirtschaftsdüngern, die gegen EU-Umweltgesetze verstießen.1 Lange Zeit setzte Holland auf den Export von Gülle und Mist nach Deutschland: im Jahr 2012 waren dies ca. 1,7 Millionen Tonnen.2 Dies entspricht ungefähr 60.000 holländischen Lkw mit Gülle, Hähnchenmist oder Hühnertrockenkot. Der Flächenbedarf zur Verwertung holländischer Gülle beträgt ca. 200.000 ha deutsche Ackerfläche.

Durch die Novellierung der deutschen Düngeverordnung im Jahr 2017 ist damit zu rechnen, dass innerhalb von Deutschland die Gülletransporte ausgedehnt werden. Es wird geschätzt, dass aus den niedersächsischen Hochburgen der nicht-flächengebundenen Tierhaltung ungefähr 130.000 Lastwagen-Ladungen mit jährlich 3,15 Millionen Tonnen Gülle und Mist in andere Bundesländer transportiert werden müssen. Hochburgen der Intensivtierhaltung sind die Landkreise Vechta (3,64 GVE/ha), Cloppenburg (3,05 GVE/ha), Kreis Borken (2,66 GVE/ha) sowie die Grafschaft Bentheim (2,55 GVE/ha).3

Neben den erheblichen Stickstoffbelastungen treten hier auch Überdüngungen mit tierischem Phosphat auf. In den viehstarken Kreisen Cloppenburg, Vechta, Emsland und Grafschaft Bentheim wird der zulässige Überschuss-Wert von 20 Kilogramm Phosphat pro Hektar und Jahr überschritten. Ab 2023 ist nach der neuen Düngeverordnung nur noch ein Überschuss-Wert von 10 kg/ha/Jahr erlaubt.4

Ein wichtiger Grund für die Novellierung der Düngeverordnung ist das Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland von 2016 wegen der jahrelangen Verletzung der EU-Nitrat-Richtlinie von 1991. In Deutschland weisen über 27 % der Grundwasserkörper eine Überschreitung des Grenzwertes von 50 mg Nitrat/Liter im Grundwasser auf. In einigen Regionen mit hohen Viehbesatzdichten oder vielen Biogasanlagen steigt die Nitratbelastung des Grundwassers sogar noch an. Für die deutsche Wasserwirtschaft wird

in Zukunft mit Mehrkosten von 580 bis 767 Millionen Euro pro Jahr zur Reinigung von Trinkwasser bezüglich Nitrat und Pflanzenschutzmitteln gerechnet.5

Auch die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 1990 droht Deutschland zu verfehlen. Eigentlich sollen sich bis spätestens 2027 alle Oberflächengewässer in einem guten ökologischen und chemischen Zustand befinden. Im Moment erreichen in Niedersachsen kein einziger See und nur 2 % der Fließgewässer diese Ziele.6

Weitere große Probleme entstehen durch die sehr hohen Ammoniakemissionen aus der Intensivtierhaltung. In der EU gilt die NEC-Richtlinie.7 Diese Richtlinie sieht starke Minderungen der Ammoniakemissionen vor (um 29 % im Jahr 2030 gegenüber 2005). Bisher werden in Deutschland jedes Jahr die nationalen Emissionshöchstmengen massiv überschritten.8
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1    https://www.agrarheute.com/tier/rind/wegen-phosphatquote-niederlande-stockt-160000-milchkuehe-ab-537717).

2    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/guellehandel-guelle-als-internationales-­wirtschaftsgut/10353500 – 3.html.

3    GVE/ha: Großvieheinheiten pro Hektar; 1 GVE entspricht 500 kg Lebendgewicht, also ungefähr einer Milchkuh, 10 Schafen oder 7 Mastschweinen; im Ökologischen Landbau sind laut EU-Ökoverordnung maximal 2 GVE/ha erlaubt.

4    Nährstoffbericht 2016/2017 Land Niedersachsen.

5    https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/zu-viel-duenger-trinkwasser-koennte-teurer-werden).

6    S. Fußnote 4.

7    Richtlinie 2001/81/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2001 über nationale Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe.

8    https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland/ammoniak-emissionen#textpart-3.


e) Lachgas- und Methan-Emissionen als Klimagasquellen: Am meisten jedoch ist in jüngster Zeit das Bewusstsein für die ökologischen und klimapolitischen Folgen des hohen Fleischkonsums gestärkt worden: Die modernen Tierhaltungssysteme mit ihrem international vernetzten Futtermittelmanagement führen zu erheblichen klimarelevanten Emissionen von Kohlendioxid, Methan und Lachgas. Dies betrifft einerseits den Futtermittelanbau, insbesondere von Mais und Soja mit seiner zunehmenden Intensivproduktion ohne nachhaltige Fruchtfolgen. Solche Monokulturen weisen eine hohe Bewirtschaftungsintensität unter Einsatz von Düngemitteln, Herbiziden und Schädlingsbekämpfungsmitteln auf. Darüber hinaus können sie auch für das Boden-Ökosystem schädlich sein, wenn sie die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigen und somit auch zu Bodendegradation und Bodenerosion beitragen. Die Viehwirtschaft trägt weniger als 1,5 Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung bei. Aber sie verursacht 18 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen und damit mehr als der Transportsektor.[121] Laut der Studie »Klimawandel auf dem Teller« vom WWF werden nahezu 70 Prozent der nahrungsmittelbedingten Klimagas-Emissionen durch die Tierproduktion verursacht. Der Ausstoß von Methan und Lachgas nahm von 1990 bis 2005 um 17 Prozent zu.[122] Das ist in erster Linie eine Folge des steigenden Fleischkonsums in vielen Teilen der Welt.

Die Böll-Stiftung hat eine größere Untersuchung finanziert, die zu dem Ergebnis kommt: »JBS, Cargill und Tyson Foods – allein diese drei der weltgrößten Fleischunternehmen – haben 2017 den Ausstoß von mehr Treibhausgasen verursacht als Frankreich und annähernd so viele wie die größten Ölkonzerne der Welt. Doch während die Energieriesen wie Exxon und Shell wegen ihres Beitrags zum Klimawandel kritisiert werden und unter Beschuss gekommen sind, schaut kaum jemand auf die Fleisch- und Milchgiganten.«[123] Dies muss sich, folgt man der Studie der Böll-Stiftung oder auch der neueren Studie des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP)[124] ändern, wenn wir eine ökologische Katastrophe abwenden wollen.

Die Konsequenz aus diesen Beobachtungen, darin sind sich viele Akteure aus dem Bereich von Agrarinstituten und NGOs einig, lautet: »Die Emissionen aus der industriellen Landwirtschaft verursachen nicht nur zunehmend lokale Umweltzerstörungen und soziale Krisen, sondern sind in großem Umfang mitverantwortlich für den Klimawandel. Die Pariser Klimaziele sind nur mit einer globalen sozialen und ökologischen Agrarwende zu erreichen.«[125] Die sehr hohe Erzeugung tierischer Lebensmittel ist weltweit mit einem deutlich höheren Einsatz von Wasser, Fläche und Energie verbunden, was im Wesentlichen durch den Anbau von Futtermitteln bedingt ist. Der Aufwand für die Produktion einer tierischen Kalorie ist bis zu siebenmal so hoch wie für die einer pflanzlichen. Je mehr also der Verzehr von tierischen Erzeugnissen wie Fleisch und Molkereiprodukten weltweit zunimmt, umso mehr werden die ökologischen Grenzen überschritten. Wenn eine prognostizierte Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 den Konsum tierischer Erzeugnisse aufweisen sollte, wie er bereits heute für Europa gilt, dann würden die Grenzen der Verfügbarkeit von Futtermitteln, der Verwertung von Gülle und der Reduzierung klimarelevanter Emissionen sehr schnell erreicht – wir bräuchten dann mindestens drei Planeten –, bei Globalisierung der Fleischkonsumraten von Nordamerika bräuchten wir sogar fünf Planeten.[126]


Kasten 14: Landwirtschaft und Umweltökonomie

Die ökologische Kritik der marktwirtschaftlich orientierten Ökonomie sieht den Kern der Umweltproblematik darin, dass wirtschaftliche Akteure nicht für alle Schäden aufkommen müssen, die von ihnen verursacht werden. Daher treffen wirtschaftliche Akteure Kosten-Nutzen-Entscheidungen, die Dritte schädigen. Ziel müsse es daher sein, dass solche externen Kosten internalisiert werden, d. h. in das Kalkül der Verursacher eingehen und somit auf ein volkswirtschaftlich optimales Niveau reduziert werden.

Der Landwirtschaftssektor verursacht sowohl Kosten und als auch Nutzen, die von den Verursachern – den landwirtschaftlichen Produzenten – nicht selbst getragen werden bzw. für die sie nicht entlohnt werden. Zu den externen Kosten der landwirtschaftlichen Erzeugung zählen negative Auswirkungen auf die Umweltgüter Boden, Luft, Wasser und Biodiversität. Als externe Nutzen werden der Erhalt von Kulturlandschaften und Beiträge zur regionalen Entwicklung genannt.

Die Landwirtschaft trägt unmittelbar mit ca. 7,4 % zu den Treibhausgasemissionen Deutschlands bei. Allein die Landwirtschaft verursacht 81 % des gesamten Lachgas- und 58 % des Methanausstoßes. Verdauungsprozesse der Nutztiere und organischer Dünger sind zu ca. 40 % beteiligt.1

Zudem leiden Böden und Gewässer unter dem Stickstoffeintrag (direkt oder über die Luft), an dem die Landwirtschaft zu mindestens 70 % beteiligt ist.2 Die Grenzen der ökologischen Tragfähigkeit gelten bei der Stickstoffbelastung als überschritten, was dessen Reduzierung zu einem drängenden Umweltproblem macht.3 Folgen eines Stickstoffüberschusses sind unter anderem eine Nitratbelastung des Grund- und letztlich Trinkwassers, eine Eutrophierung von Wäldern, Mooren und Gewässern sowie eine Versauerung der Böden und Gewässer. Die Versauerung beeinträchtigt die biologische Vielfalt, welche zusätzlich durch die Anwendung von Pestiziden und die Zerstörung von Lebensräumen – etwa durch die Flurbereinigung – bedroht ist. Zugleich bietet die Landwirtschaft den Arten auch Lebensraum, zum Beispiel durch extensiv genutzte Streuobstwiesen, Acker- und Weinbergflächen und Grünland sowie durch strukturreiche Landschaftselemente wie etwa Hecken. Diese Aktivitäten gehen oftmals Hand in Hand mit der Pflege und dem Erhalt von Kulturlandschaften.

Die Nutztierhaltung trägt in besonders hohem Maße zu den Stickstoffemissionen der Landwirtschaft bei, so zum Beispiel ca. 70 % bei Ammoniak. Außerdem beträgt die Stickstoffeffizienz bei der Fleischerzeugung im Durchschnitt nur 20 %, d. h. nur 20 % des für die Produktion eingesetzten Stickstoffs sind letztlich im Fleisch enthalten, während es bei Ernteerzeugnissen durchschnittlich 80 % sind.4 In tierhaltungsintensiven Regionen – etwa in Nordwestdeutschland – sind die Flächenbilanzüberschüsse für Stickstoff besonders hoch. Es kommt zu starken Eutrophierungen der Oberflächengewässer sowie zu hohen Nitratbelastungen des Grundwassers.5

Die externen Kosten der Landwirtschaft lassen sich nur bedingt monetarisieren. Untersuchungen für verschiedene Schadstoffbelastungen bzw. für andere Länder legen nahe, dass die externen Kosten der deutschen Landwirtschaft mind. 50 Mrd. EUR betragen – gegenüber einer Wertschöpfung von »nur« ca. 20 Mrd. Allein die externen Kosten durch den hauptsächlich durch die Landwirtschaft und hier wiederum zum Großteil durch die Nutztierwirtschaft verursachten Stickstoffüberschuss werden für die gesamte EU auf bis zu 435 Mrd. EUR (2008) jährlich geschätzt.6 Eine Überschlagsrechnung geht für Deutschland von Kosten um die 20 Mrd. EUR aus.7 Die Kosten von etwa einer Halbierung des landwirtschaftlichen Stickstoffeinsatzes werden – wenn sie effizient erfolgt – als wesentlich geringer eingeschätzt als ihr Nutzen. Das heißt, dass sich eine deutliche Emissionsvermeidung volkswirtschaftlich rechnen würde.8

Umweltökonomische Instrumente zur Internalisierung externer Effekte sind unter anderem Emissionsabgaben sowie Subventionen zur Förderung weniger belastender Wirtschaftsmethoden bzw. als Entlohnung für externen Nutzen. So schlägt etwa der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) für den Bereich der Landwirtschaft neben ordnungsrechtlichen und Informations-/Bildungsinstrumenten auch eine lenkende Überschussabgabe für Stickstoff vor, die sich am Stickstoffüberschuss des einzelnen Betriebs orientiert.9 Zugleich plädiert er für eine deutlich stärkere Ökologisierung (Greening) der Direktzahlungen an Landwirte.10 Zu den Auswirkungen einer effektiven Internalisierung der Stickstoffemissionen in Deutschland zählen der SRU und andere einen signifikanten Rückgang sowohl der Intensität und der räumlichen Konzentration der Nutztierhaltung als auch der Viehbestände.


1    Vgl. UBA 2017, S. 440.

2    Vgl. UBA, SRU 2015, S. 169 f. u. 180 ff.

3    Vgl. SRU 2015, S. 34.

4    Vgl. SRU 2015, S. 182 ff.

5    Vgl. UBA 2018, Daten zur Umwelt, S. 64 und 76; vgl. UBA 2018, FAQs zu Nitrat.

6    Vgl. van Grinsven et al. 2013.

7    Vgl. Gaugler/Michalke 2013.

8    Vgl. Vermont/de Cara 2010, van Grinsven et al. 2013, SRU 2015, S. 251 ff., Sutton et al. 2011.

9    Vgl. SRU 2015, S. 344 ff.

10 Vgl. SRU 2015, S. 337 ff.

Quellen: Umweltbundesamt (UBA): Land und Forstwirtschaft, https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft) // Umweltbundesamt (UBA 2017), Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar 1990 – 2015 Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und Kyoto-Protokoll 2017, Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar 1990 – 2015, Dessau 2017 // Umweltbundesamt (UBA 2018): Daten zur Umwelt, S. 64 und 76; https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/uba_dzu2018_umwelt_und_landwirtschaft_web_bf_v7.pdf // Umweltbundesamt (UBA 2018): FAQs zu Nitrat im Grund- und Trinkwasser; https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/uba_dzu2018_umwelt_und_landwirtschaft_web_bf_v7.pdf // Van Grinsven, H.J. et al. 2013. Costs and benefits of nitrogen for Europe and implications for mitigation. Environmental Science and Technology 47/8, S. 3571 – 3579. // Gaugler, T. und Michalke, A. 2013, in: GAIA - Ecological Perspectives for Science and Society 26(2), S. 156 – 157. // Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU 2015), Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem, Sondergutachten, Berlin // Vermont, B./De Cara, S. 2010, How costly is mitigation of non-CO2 greenhouse gas emissions from agriculture? A meta-analysis, in: Ecological Economics 69/7, S. 1373 – 1386. // Sutton, M.A. et al. (Hrsg.) 2011, The European Nitrogen Assessment, Cambridge.


3.5     Im Ausland geht’s den Tieren doch noch schlechter!? – Ungleich­zeitigkeiten und offene Regelungsbedarfe im Blick auf Standards und rechtliche Rahmen für Tierwohl und Ernährungs­qualität

Bei vielen agrarökologischen Diskussionen im nationalen Kontext ist als Argument zu hören, dass man allein ohnehin nichts ändern kann und dass die Konkurrenzbedingungen im Bereich des Weltagrarhandels uns doch massiv unter Druck setzen. In der Tat ist es so, dass Bereiche der Tierproduktion ins Ausland abwandern könnten, wenn sich Standards innerhalb Deutschlands oder der EU ändern und Produktionsbedingungen damit teurer werden. Doch der Verweis auf internationale Rahmenbedingungen und den Druck der Globalisierung darf nicht dazu verwandt werden, sich der jeweils nationalen Verantwortung zu entziehen. Es ist deshalb ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, dass die globale Konferenz der Agrarminister Anfang 2018 in Berlin beschlossen hat, auf einen Umbau der Tierhaltung bis 2030 zuzugehen. »Die Agrarbranche muss sich darauf einstellen, dass sich die Dinge ändern: Sie müssen all Ihre Geschäftspläne auf Nachhaltigkeit ausrichten, sonst werden Sie vom Markt gefegt«, so lauteten die klaren Worte, die der deutsche Bundesagrarminister an die Teilnehmenden des Internationalen Wirtschaftspodiums richtete. Mit Produktionsmethoden, die nur auf schnelles Geld abzielen, aber gesamtgesellschaftlichen Schaden anrichten können, etwa der unverantwortliche Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung, der zur Entwicklung von Multiresistenzen führt, kann man heute auch wirtschaftlich langfristig nicht überleben.[127]


Kasten 15: Tierhaltungsmängel (Technopathien)

Klinische Indikationen für erhebliche, tierschutzrelevante Mängel und Probleme in der Nutztierhaltung sind neben Apathie, Inaktivität, hohen Krankheits- und Mortalitätsraten sowie starken Leistungseinbrüchen auch die so genannten Technopathien bzw. Ethopathien. Körperliche Schäden, Erkrankungen und Verletzungen des Tieres, die durch Mängel in der Haltungstechnik und -system verursacht werden, werden als Technopathien bezeichnet. Ein typisches Beispiel dafür sind Klauenschäden, Schulterläsionen oder Lahmheiten bei Schweinen.

Ethopathien sind Verhaltensstörungen bzw. -abweichungen, die beim Einzeltier selbst oder an seinen Artgenossen Schmerzen und Schädigungen hervorrufen und durch die Haltungsbedingungen verursacht werden. Ethopathien gelten als Indikatoren für das Vorliegen erheblichen Leidens. Bei Schweinen ist das Schwanzbeißen ein typisches Beispiel.

Stereotypien sind invariable und sich wiederholende Bewegungsfrequenzen, die nicht zielführend ausgeführt werden. Ein typisches Beispiel dafür ist das Stangenbeißen, Leerkauen, Zungenrollen oder Nestbauverhalten im Leerlauf ohne Substrat bei Zuchtsauen. Diese Stereotypien sind ein Ausdruck von Frustration, welche auf einen Mangel an strukturreichem Futter oder Beschäftigungsmaterial zurückzuführen ist. Häufige Leerlaufhandlungen sind ein Indikator für nicht tiergerechte vorherige oder aktuelle Haltungsverfahren.1 Verhaltensstereotypen gehen oft mit krankhaften Veränderungen im Gehirn der Tiere einher und einer erhöhten Sterblichkeit.2

Die Ursachen für Technopathien und Ethopathien sind oft multifaktoriell. Ursachen können neben den Haltungsbedingungen und falschen oder fehlenden Umweltreizen auch züchterische genetische Effekte sein. Zuchteffekte spielen beim Schwanzbeißen von Mastschweinen oder dem Federpicken von Hühnern eine große Rolle. Außerdem können Tierkrankheiten oder Parasiten, die das Nervensystem schädigen, zu Verhaltensauffälligkeiten beitragen. Bei Schweinen können auch instabile Tiergruppen mit häufigem Wechsel die Aggressionen und Rangkämpfe stark steigern, da der soziale Stress für die Tiere zu hoch ist.

Lange Zeitreihen mit detaillierten Schlachtbefunden können fundierte Hinweise auf langfristige Haltungsmängel geben. Außerdem können wissenschaftliche Messungen des Stresslevels der Tiere wertvolle Hinweise geben (u. a. Hormonmessungen).3

Im Bereich der Nutztierethologie können umgekehrt auch das Vorhandensein positiver Emotionen der Nutztiere valide Hinweise auf gute Haltungsbedingungen und Wohlbefinden der Tiere geben. Hinweise auf Wohlbefinden sind z. B. ein ausgeprägtes Spielverhalten und zielgerichtetes Erkundungsverhalten.

Als wichtig haben sich dafür u. a. Umweltanreicherungen erwiesen, die die kognitiven Leistungsfähigkeiten der Tiere nutzen und fördern. Geistig aktive Tiere sind entspannter, haben ein aktiveres Immunsystem, sind bewegungsfreudiger etc. Auch die Einhaltung artspezifischer Aktivitäts- und Ruhemuster ist positiv zu bewerten.4

Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL) hat 2016 für Rinder, Schweine und Geflügel umfangreiche, wissenschaftlich basierte Praxisleitfäden zu Tierschutzindikatoren für die betriebliche Eigenkontrolle entwickelt. Dabei werden Indikatoren u. a. aus den Bereichen Leistung, Physiologie wie Nutztierethologie verwendet. Seit 2014 sind solche betrieblichen Eigenkontrollen gesetzlich vorgeschrieben.5
____________________________

1    DLG (2016): DLG-Merkblatt 382. Das Tier im Blick – Zuchtsauen; https://www.dlg.org/fileadmin/downloads/junge-dlg/DLG-Merkblatt_382.pdf.

2    Norbert Sachser: Der Mensch im Tier. Warum Tiere uns im Denken, Fühlen und Verhalten oft so ähnlich sind, Reinbeck 2018.

3    EFSA Panel on Animal Health and Welfare (AHAW) (2014): Scientific Opinion concerning a Multifactorial approach on the use of animal and non-animal-based measures to assess the welfare of pigs; https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.2903/j.efsa.2014.3702.

   Norbert Sachser: Der Mensch im Tier. Warum Tiere uns im Denken, Fühlen und Verhalten oft so ähnlich sind, Reinbeck 2018.

   KTBL (2016): Eigenkontrolle Tierwohl; https://www.ktbl.de/inhalte/themen/tierhaltung/themen/tierwohl/.


Die Debatte über Tierwohl, Standards der Qualitätssicherung und nötige gesetzliche Rahmenbedingungen hat in Europa erst seit ca. 15 Jahren auch das EU-Parlament erreicht – Folge von Skandalen im Blick auf Import minderwertigen Fleischs sowie der Lobbyarbeit von Tierschutz- und Umweltverbänden. Seit 2007 gibt es eine Strategie zur Sicherung der Tiergesundheit (Animal Health Strategy 2007 – 2013, »Prevention is better than cure«)[128], erst seit 2016 gibt es ein »EU Animal Health Law«[129]. Die zentrale Aufmerksamkeit dieser Bestimmungen aber richtet sich auf die Abwehr übertragbarer Tierkrankheiten und die medizinische Sicherheit der Fleischproduktion inklusive Regulierungen für den Antibiotikaeinsatz. Noch keine Aufmerksamkeit und rechtliche oder steuerliche Regelinstrumente gelten den entwicklungspolitischen und ökologischen Auswirkungen der starken Zunahme des Fleischkonsums innerhalb der EU. Erst Anfang 2017 erschien eine beachtliche, vom EU-Parlament beauftragte Studie »Animal Welfare in the European Union« zu den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Gesetzgebungen im Blick auf Tierschutz, Nachhaltigkeit und Qualitätssicherung in den EU-Mitgliedsländern, die insbesondere einen kritischen Blick auf die Interaktion zwischen EU-Ländern und Drittländern im Bereich Tierhandel außerhalb der EU lenkt.[130] Ebenfalls seit 2017 gibt es eine erste wissenschaftliche Studie, die auf globaler Ebene den völlig unterschiedlichen Stand und die Rezeptionsschwierigkeiten von Ansätzen zu Tierschutzgesetzgebungen genauer untersucht.[131] Mit Bezugnahme auf diese Studie unterscheidet die NGO »Global Animal Law« zwischen acht verschiedenen Kategorien von Ländern im Blick auf die Verankerung und Verbindlichkeit von gesetzgeberischen Regulierungen hinsichtlich der Tierschutzgesetzgebung:

Fall 1:  Länder, in denen keine Tierschutzgesetzgebung gefunden wurde,

Fall 2:  Länder mit grundlegenden nationalen Gesetzen: Anti-Grausamkeitsgesetze (oder Bestimmungen des Strafgesetzbuches) und neue Tierschutzgesetze,

Fall 3:  Länder mit einem nationalen Zivilgesetzbuch, das den Tieren einen neuen Status verleiht,

Fall 4:  Länder mit einem nationalen Grundgesetz und einer provinziellen Zivilgesetzbuchbestimmung, die den Tieren einen neuen Status geben,

Fall 5:  Länder mit einem nationalen Grundgesetz und einem nationalen Zivilgesetzbuch, das den Tieren einen neuen Status verleiht,

Fall 6:  Länder mit einem grundlegenden nationalen Recht und einem provinziellen oder lokalen Verfassungsprinzip,

Fall 7:   Länder mit nationalem Grundgesetz und nationalem Verfassungsprinzip,

Fall 8:  Länder mit einem nationalen Grundgesetz, einem nationalen Zivilgesetzbuch, das den Tieren einen neuen Status verleiht, und einem nationalen Verfassungsprinzip.[132]

Bemerkenswert ist, dass nur drei Länder, das heißt Deutschland, Österreich sowie die Schweiz, bisher anspruchsvolle und sowohl in der Verfassung als auch in einem eigenen Gesetz und im Strafrecht verankerte Tierschutzgesetzgebungen haben[133] und es auf der Ebene der EU schon eine gewisse Geschichte mit Schutzgesetzgebungen in diesem Bereich gibt,[134] während in vielen Ländern außerhalb Europas die gesetzliche Lage in dieser Hinsicht noch extrem dürftig aussieht. Dieser Überblick verdeutlicht, in welchem Ausmaß Bauern und wie fleischproduzierende Betriebe innerhalb der EU durch weltweite Konkurrenz mit Betrieben in Ländern, die viel niedrigere Standards haben, unter Druck stehen. Auch wird deutlich, wie viel noch im Blick auf globale gesetzliche Rahmenbedingungen für die Fleisch- und Nahrungsmittelindustrie zu tun ist.[135] Fragen einer Ethik im Mensch-Tier-Verhältnis und einer ökologischen Verantwortungsethik im Blick auf Fleischkonsum müssen endlich auch zu einem Lobbythema von internationalen ökumenischen Zusammenschlüssen wie Action of Churches Together (ACT Allliance), Ökumenischer Rat der Kirchen (WCC), Weltgemeinschaft der Reformierten Kirchen (WCRC) oder des Lutherischen Weltbundes (LWF) und ihrer Zusammenarbeit im Blick auf Kernziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (SDG-Agenda) und Impulse für verbindlichere gesetzliche Regelungen auf der Ebene von UN und FAO werden. Andererseits sollte eine größere Aufmerksamkeit den verschiedenen Regelungsinstrumentarien gewidmet werden, mit denen die Rahmenvorgaben von Landwirtschaft, Tierzucht und Fleischhandel beeinflusst und gesteuert werden können. Die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen für die Tierschutzgesetzgebung sowie ausreichender Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten ist dabei nur das eine vorhandene Instrumentarium. Das andere Instrumentarium betrifft staatliche Anreize für Produktionsformen und -stätten, die zukunftsweisend sind oder sich entsprechend umorientieren: Was im Bereich der Tabaksteuer EU-weit seit 1993 praktiziert,[136] im Bereich einer Zuckersteuer[137] diskutiert und zum Beispiel in Großbritannien schon praktiziert wird,[138] um enorme und unverantwortliche gesundheitliche Folgelasten für die Ernährungsweise der Bevölkerung zu vermeiden, könnte im Bereich der Agrarwirtschaft bzw. des Lebensmittelhandels eine Fleischsteuer sein. Die Fleischsteuer ist in jüngerer Zeit sowohl Gegenstand kontroverser politischer Diskussion[139] als auch wissenschaftlicher Auseinandersetzung.[140] Jedoch sollte eine Fleischsteuer weder als undifferenzierte Abgabe, noch isoliert implementiert werden, sondern nur als Teil eines insgesamt ausgewogenen und kohärenten Maßnahmenpakets, bei dem wirkliche Verbesserungen in der Intensivtierhaltung und die Veränderung des Konsumverhaltens das Ziel sein müssen. Zwar mag eine spürbare pauschale Fleischsteuer zwar eine gewisse Reduktion des Fleischkonsums hervorrufen, aber sie erhöht primär den Kostendruck auf die Fleischerzeuger und führt dann – anders als intendiert – zur vermehrten Produktion von Billigfleisch. Somit erscheint eine nach Tierhaltungsbedingungen deutlich differenzierte Fleischabgabe als zielführender. Es sollte auch sorgfältig bedacht werden, dass der Nebeneffekt einer isoliert eingeführten Fleischsteuer auch in größerer sozialer Ungleichheit bestehen könnte, weil Wohlhabende dann ihren Fleischkonsum unverändert fortführen könnten, während weniger Wohlhabende härter von dieser Steuer betroffen wären. Die Debatte zu diesem Thema sollte also intensiv und sachorientiert fortgeführt werden.[141]

Auch das Instrument der Bonuszahlungen für Betriebe, die hohe Standards im Blick auf Tierschutz, Fleischqualität und biologisch-verantwortliche Tierhaltung einhalten, müsste als ein wirksames Instrument in seiner Relevanz geprüft werden. Es sollte allerdings nachdenklich stimmen, dass die Einführung einer »meat tax« jedenfalls im internationalen Diskurs[142] vielfach als durchaus relevanter, ja notwendiger Faktor für die Umsteuerung der Konsum- und Produktionsgewohnheiten weltweit angesehen wird.[143]

In die Überlegungen sollte auch ein Umbau der Mehrwertsteuer einbezogen werden. Würde der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent nur für nachweislich nachhaltig erzeugte Lebensmittel gelten (wozu bei der Fleischerzeugung auch die Beachtung klar festgelegter und kontrollierter Tierwohlstandards zählen müsste) und der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent für alle Lebensmittel, die auf nicht-nachhaltige Weise hergestellt werden, könnte dies sowohl zu Veränderung im Kauf- und Konsumverhalten als auch in der Tierhaltung führen und die oben beschriebenen negativen Effekte einer undifferenzierten Fleischsteuer ausschließen oder zumindest gering halten. Das EU-Parlament forderte schon 2011 eine Neuausrichtung der Mehrwertsteuer nach Nachhaltigkeitskriterien[144] – über den Lebensmittelsektor hinausgehend. In Deutschland gab und gibt es ähnliche Initiativen und Stellungnahmen u. a. vom Umweltbundesamt, vom Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen, vom Öko-Institut e. V., vom Forum Ökologisch-soziale Marktwirtschaft, der Albert-Schweitzer-Stiftung und mehreren Organisationen des Fairen Handels. Campact e. V. wirbt für eine Petition des Tübinger Pfarrers Frithjof Rittberger, der – unterstützt von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen und Instituten – eine Mehrwertsteuerreform fordert, die u. a. »ein dauerhaft wirksames Instrument für besseren Tierschutz und faire Arbeitsbedingungen« sein soll.[145]

Staatliche Pläne zur Reduktion des Fleischverzehrs sind bisher global die Ausnahme. Die chinesische Regierung hat hingegen 2016 vor allem aus gesundheitspolitischen Gründen beschlossen, den Fleischverzehr der chinesischen Bevölkerung zu senken: Lag der Fleischkonsum 1982 bei 13 kg Fleisch pro Kopf und Jahr, so betrug er 2016 bereits 63 kg. Nun soll er auf 27 kg pro Kopf und Jahr gesenkt werden.[146]

Bisher gibt es keinen globalen Kodex für Fragen des Tierwohls und auch keinen auf UN-Ebene verbindlichen Bemessungsschlüssel für Ernährungsqualität bzw. Nachhaltigkeit in der Produktion von tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln. Nationale Regierungen können zwar gewisse Importrestriktionen für Billigfleisch, genetisch veränderte Lebensmittel oder Fleisch aus Produktionsstätten mit globalisierten Futtermittelimporten erlassen. An den grundlegenden Bedingungen der kapitalistisch geprägten Weltagrarordnung, die den Agrobusinesskonzernen die Priorität und Marktmacht überlässt, zum Nachteil der kleineren, regionalen oder bäuerlichen landwirtschaftlichen Betriebe, hat sich nichts geändert.

Es gibt also offene internationale Regelungsbedarfe im Blick auf Standards und rechtliche Regulierungen für Fragen von Tierwohl und Ernährungsqualität, die von der Zivilgesellschaft einschließlich der Kirchen sowohl auf der Ebene der EU als auch auf der Ebene der UN angemahnt werden müssen.

3.6     Globaler Ernährungswandel: Entkopplung von Fleischkonsum und Wohlstand? – Die Frage des Fleischkonsums als Schlüsselfrage für Weltgesundheit und ökologische Tragfähigkeit der Erde

In Kapitel 2.3 war darauf hingewiesen worden, wie die exponentielle Zunahme der Nachfrage nach Fleischverzehr in Deutschland mit einem bestimmten Wohlstandsverständnis und der Situation der Nachkriegsentwicklung in Westeuropa korrespondierte. In Kapitel 2.7 ist deutlich geworden, dass wir seit ca. zwei Jahrzehnten Anzeichen eines Einstellungs- und Kulturwandels in Deutschland und in unterschiedlichem Maße auch in anderen Ländern feststellen können. Es gibt ein gestiegenes Verbraucherbewusstsein, es gibt andere Ernährungsstile, es gibt ein erhöhtes Problembewusstsein für Tierschutzbelange. Kulturelle Einstellungsänderungen, Diversifizierung von Angeboten sowie eine stärkere Sensibilisierung für Fragen des Tierwohls greifen ineinander und führen dazu, dass sich immer mehr der an Herstellung, Handel und Konsum von Fleischerzeugnissen Beteiligten mit den neuen Trends auseinandersetzen.

Den vorsichtigen Veränderungen auf der nationalen Ebene entsprechen veränderte Diskurse auf der internationalen Ebene im Umfeld der entwicklungspolitischen Debatte über die Ziele der SDG-Agenda. Freilich sind diese entwicklungspolitischen und ernährungswissenschaftlichen Diskurse in der Öffentlichkeit, im Landwirtschaftssektor sowie in den landwirtschaftlichen Ausbildungsgängen in Deutschland bisher zu wenig bekannt.

Seit einigen Jahren wird intensiv über Voraussetzungen und Folgen des globalen Ernährungswandels diskutiert:[147] Der globale Wandel der Ernährung wird als »Global Nutrition Transition« bezeichnet. In der wissenschaftlichen Literatur,[148] die sich auf Untersuchungen zur Vermeidung von Adipositas (Fettleibigkeit) bezieht, wird zwischen drei Haupt-Phasen unterschieden:

In Phase 1 geht es um das »Zurückgehen des Hungers«. Unterernährung ist das Hauptproblem. Die körperliche Belastung der Menschen ist hoch.

Phase 2 ist durch einen erhöhten Konsum an Fett, Zucker, Protein und stark verarbeiteten Lebensmitteln sowie die Zunahme an degenerativen Krankheiten gekennzeichnet. »Im Zuge von Urbanisierung, wirtschaftlichem Wachstum und gesellschaftlichem Wandel (Arbeit, Freizeit, Lebensmittelverarbeitung und Massenmedien) steigt der Konsum von Fett, Zucker, verarbeiteten Lebensmitteln (Convenience-Produkte, Fast Food und Snacks) und tierischen Lebensmitteln, der Verbrauch von traditionellen Grundnahrungsmitteln und der Ballaststoffanteil gehen dagegen zurück.«[149] Gleichzeitig geht die körperliche Betätigung in Beruf, Haushalt und Freizeit signifikant zurück.

In Phase 3 geht es um eine Kombination von Verhaltensänderung und Ernährungsstiländerung: Die Aufnahme von Fett muss reduziert, die Aufnahme von Ballaststoffen, Gemüse, Obst und Kohlenhydraten muss erhöht werden. Gleichzeitig geht es um einen Wandel von einem bewegungsarmen Lebensstil zu einem bewegungsreicheren und aktivierten Lebensstil. Allein dadurch wäre weltweit ein Rückgang der ernährungsmitbedingten Krankheiten zu erwarten. Doch sehr viele Länder befinden sich noch in Phase 2. Die FAO rechnet daher mit einem weiteren Anstieg des globalen Fleischkonsums um 60 Prozent bis 2050. Dies aber könnte verheerende ökologische Folgen haben.[150]

Es ist deshalb die zentrale These dieser EKD-Studie, dass die Frage des Fleischkonsums zu einer Schlüsselfrage sowohl der Weltgesundheitssituation als auch der ökologischen Tragfähigkeit der Erde geworden ist.[151] Nur durch eine politisch gewollte, kulturell vermittelte, wertebezogene und damit auch religiös motivierte Abkopplung von Wirtschaftswachstum und Fleischkonsumsteigerung lässt sich eine Umsteuerung des gegenwärtigen verhängnisvollen Trends der Welternährungslage erreichen. Für die Situation in Deutschland wird eine Reduktion des durchschnittlichen Fleischverzehrs von 60 kg/Jahr auf bis zu 15 kg/Jahr pro Person als durchaus sinnvoll und machbar gehalten.[152] Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält maximal 20 – 30 kg Fleischverzehr pro Kopf und Jahr innerhalb einer gesunden Mischkost für ernährungsphysiologisch sinnvoll.[153]

3.7     Zusammenfassung: Tierwohl – Menschenwohl – Schöpfungswohl
Zielkonflikte und tierethische Dilemmata im globalen Kontext

In zusammenfassender Perspektive wird deutlich: Die Kopplung von Wohlstandsentwicklung an hohen Fleischkonsum hat in eine gesundheitsspezifische ebenso wie in eine ökologische Sackgasse geführt. Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte gab es einen so hohen Fleischkonsum wie in der Gegenwart. Doch das System der nachholenden Entwicklung bzw. Globalisierung des »westlichen« Modells industrialisierter Landwirtschaft und Fleischproduktion stößt an planetarische Grenzen. Das Ziel, eine rasant wachsende Weltbevölkerung ausreichend und gesund zu ernähren, kann nicht mit weiterhin exponentiellen Fleischkonsumraten erreicht werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden auch Konzepte wie die technische Optimierung bestehender Tierhaltungsformen oder die technologische Substituierung tierischen Fleischs durch künstlich im Reagenzglas erzeugte »Fleisch«-Produkte nur Teillösungen darstellen.[154]

Der Weltagrarbericht geht davon aus: »Wir brauchen eine agrarökologische Evolution der Landwirtschaft, der Lebensmittelproduktion und des Konsums. Sich ihren jeweiligen Umweltbedingungen anzupassen, ist die Kunst der Landwirtschaft seit ihren Ursprüngen vor 10.000 Jahren. Erst in den letzten einhundert Jahren erlaubten die Erschließung und Nutzung fossiler Energiequellen einem Teil der Menschheit, den aufmerksamen Austausch mit der Natur durch den Einsatz von Maschinen und moderner Chemie zu ersetzen. Dies führte in den letzten sechzig Jahren zu einer beispiellosen globalen Umgestaltung und Ausbeutung natürlicher Lebensräume und regionaler Agrar- und Ernährungssysteme, deren Folgen heute zentrale Menschheitsprobleme geworden sind.«[155]

Es geht um einen tiefgreifenden kulturellen Lernprozess und Wertewandel, der mit fundamentalen Fragen des Mensch-Tier-Verhältnisses ebenso wie dem Verhältnis des Menschen zur Ernährung und zu seinem eigenen Körper zu tun hat. Eine globale und nationale Wende mit Blick auf die Standards der Tierhaltung und die Qualitätskriterien der Fleischproduktion ist deshalb nicht nur nach tierethischen Gesichtspunkten, sondern nach globalen ökologischen und entwicklungspolitischen Gründen zwingend geboten.

Das gegenwärtige Modell der hohen Fleischproduktions- und Konsumptionsraten ist nicht zukunftsfähig und universalisierbar, weil es (durch die Mechanismen global arbeitsteiliger Futtermittelproduktion) mit überdimensionierten und ungerechten Landnutzungsraten gegenüber anderen Völkern verbunden ist. Der Kern der agrarökologischen Wende besteht deshalb nicht nur in einer Anpassung gegenwärtiger Landwirtschaft an regionale oder lokale Umweltbedingungen, sondern in einer langfristig unvermeidlichen Reduktion der Ressourcenentnahme gegenüber der Natur insgesamt. Dies erfordert einen umfassenden kulturellen Wandel im Blick auf Leitwerte unseres Lebensstils und die Nachhaltigkeit unserer Produktions- und Konsumformen. Nach Uwe Schneidewind sind zwei Blockaden auf dem Weg zu einer nachhaltigen Ernährung aufzubrechen, eine »technologisch-ökonomische Blockade, die das globale Ernährungssystem alleine unter eindimensionalen Produktivitätsaspekten optimiert … und eine kulturelle Blockade, die die globale Verallgemeinerung nicht-nachhaltiger Lebensstile befördert und damit die Vielfalt von Ernährungsmustern sowie deren ökologische Nachhaltigkeit bedroht.«[156]

Der Umfang des im Blick auf das Mensch-Tier-Verhältnis und die Fleischproduktion erforderlichen weltweiten kulturellen Wandels, den Kirchen, Zivilgesellschaft, Landwirtschaft und Regierungen nur gemeinsam befördern können, ist dabei ähnlich gravierend und anforderungsreich wie der zivilisatorische Umlernprozess, den wir im Blick auf die Dekarbonisierung unserer Wirtschaftsform und den Übergang hin zu einem post-fossilen Zeitalter begonnen haben. Die Kirche nimmt teil an diesen Prozessen der kulturellen Transformation und des Wertewandels gemäß ihrem Auftrag, zur »Erneuerung des Sinnes« (Röm 12,2) beizutragen.

Maßnahmen für eine global nachhaltige Nutztierhaltung müssen deshalb ganz verschiedene Handlungsbereiche mit bedenken und aufeinander beziehen, bei denen jeweils ganz unterschiedliche Stakeholder und Verantwortungsebenen anzusprechen sind. Sie beziehen sich auf mindestens folgende große Themenblöcke:

  • Höhe des individuellen Konsums tierischer Lebensmittel, Gesundheitswirkungen,
  • Höhe der gesamten Produktion tierischer Lebensmittel (natürliche Ressourcen, volkswirtschaftliche Bedeutung, internationaler Handel),
  • Effizienzsteigerung bei der Nutzung natürlicher Ressourcen,
  • Ressourcenschutz und Verbesserung des Zustands der natürlichen Ressourcen,
  • Erhalt wertvoller Naturräume und Kulturlandschaften,
  • Verbesserung der sozialen und ökonomischen Lebenssituation der ländlichen Nutztierhaltenden,
  • Stärkung der Resilienz ländlicher Gemeinschaften,
  • Verbesserung der Haltungssysteme der Nutztiere,
  • Verbesserung der Tiergesundheit,
  • Erhalt alter Nutztierrassen.

Mit der Studie der Kammer für nachhaltige Entwicklung »Unser tägliches Brot gib uns heute« von 2015 gilt es festzuhalten: »So notwendig politische Forderungen sind, so wichtig ist aus kirchlicher Sicht die Einübung eines nachhaltigen Lebensstiles. Auch im Blick auf die Welternährungslage brauchen wir in den früh industrialisierten Ländern einen kulturellen Wandel. Der ist aber noch nicht einmal ansatzweise erkennbar.«[157]

Fußnoten:

[85]    Vgl. u. a. https://www.animalfair.at/tierschutz-tierrechte/tiere-in-den-religionen-teil-2-hinduismus-und-islam/.

[86]    Vgl. dazu u. a.: Marvin Harris: Wohlgeschmack und Widerwillen. Das Rätsel der Nahrungstabus, München 1990; National Geographic: Eat: The Story of Food. Wie Essen unser Leben beeinflusst, (2 DVDs) 2015; Felix Escher, Claus Buddeberg: Essen und Trinken zwischen Ernährung, Kult und Kulturen, Züricher Hochschulforum 2003.

[87]    Frank Martin Brunn: Selbstbestimmt essen. Ethische Erwägungen aus theologischer Perspektive, in: Mitteilungen des Inter­nationalen Arbeitskreises für Kulturforschung des Essens, Heft 20/2013.

[88]    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28782/umfrage/die-globale-fleischerzeugung-seit-1990/.

[89]    S. Yinon M. Bar-On, Rob Phillips and Ron Milo: The biomass distribution on Earth. PNAS June 19, 2018; https://www.pnas.org/content/115/25/6506.

[90]    https://de.statista.com/infografik/2478/prognostizierter-fleischkonsum-in-kilogramm-pro-kopf-im-jahr-2023-und-aktuell/.

[91]    https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf; S. 21.

[92]    https://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/fleisch-und-futtermittel.html.

[93]    Martin Schlatzer: Ernährungsgewohnheiten und ihre Auswirkungen auf die Ernährungssicherung künftiger Generationen. Journal für Generationsgerechtigkeit – Ernährung im Zeichen von Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit, 2018, S. 17 – 23, hier S. 18.

[94]   Zu Details siehe Trends z. B. in den Verbrauchsraten von Fleisch zwischen städtischen und ländlichen Regionen z. B. in Süd-Ost-Asien: Bill Vorley: Food Consumption, Urbanisation and rural transformations in South East Asia, in: http://pubs.iied.org/pdfs/17335IIED.pdf.

[95]   Vgl. Marco Springmann, Michael Clark and others: Options for keeping the food system within environmental limits, in: Nature, Volume 562, pages 519 – 525 (2018).

[96]     https://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/gesundheit.html.

[97]     Vgl. u. a. http://edoc.rki.de/oa/articles/rec5I0tIFMfd2/PDF/23JuqX9byg62Q.pdf.

[98]     Barry Michael Popkin: Global nutrition dynamics: the world is shifting rapidly toward a diet linked with noncommunicable diseases, in: The American Journal of Clinical Nutrition, Volume 84, Issue 2, 1 August 2006, S. 289 – 298; https://academic.­oup.com/ajcn/article/84/2/289/4649577.

[99]     https://www.thelancet.com/commissions/EAT.

[100]      http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/gesunde-ernaehrung-43-gramm-fleisch-pro-tag-und-die-welt-ist-­gerettet-­a-1248387.html.

[101]      Stig Tanzmann von Brot für die Welt: https://info.brot-fuer-die-welt.de/blog/antibiotikaresistenz-globale-tierhaltung.

[102]      https://de.statista.com/infografik/2478/prognostizierter-fleischkonsum-in-kilogramm-pro-kopf-im-jahr-2023-und-aktuell/.

[103]      Karl von Koerber, Jürgen Kretschmer, Stefanie Prinz: Globale Ernährungsgewohnheiten und Trends, Berlin 2008, S. 3; http://www.eaternity.org/assets/sci-pub/Koerber,%20Kretschmer,%20Prinz%20-%202008 %20-%20Globale%20
Ernaehrungsgewohnheiten%20und%20Trends-annotated.pdf.

[104]      Vgl. Heinrich Böll Stiftung: Agrar-Atlas. Daten und Fakten zur EU-Landwirtschaft, 2019.

[105]      Der Bericht weist nach, dass die massive, durch menschliche Aktivität hervorgerufene Ressourcenentnahme – wenn sie bestimmte Schwellenwerte bzw. Kipppunkte überschreitet – zu irreversiblen und abrupten Umweltveränderungen führen kann, in: Ernst Ulrich von Weizsäcker u. a.: Wir sind dran. Club of Rome. Der große Bericht. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt, Gütersloh 2017, S. 44 ff und 48 f.

[106]      Vgl. a. a. O., S. 36 – 37.

[107]      Der Begriff »Anthropozän« wird erstmals 2000 von dem niederländischen Chemiker und Atmosphärenforscher Paul Crutzen als ein neuer Leitbegriff für die Bezeichnung einer neuen erdgeschichtlichen Ära verwandt. Er bezeichnet eine geochronologische Epoche, in der der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren nicht für die natürliche Umwelt allgemein, sondern sogar auf die biologischen, die geologischen und die atmosphärischen Rahmenbedingungen und Veränderungsprozesse auf der Erde geworden ist. Vgl. zur weiteren Diskussion u. a.: Brigitte Bertelmann, Klaus Heidel (Hrsg.): Leben im Anthropozän. Christliche Perspektiven für eine Kultur der Nachhaltigkeit, München 2018.

[108]      Vgl. Wolfgang Lucht: Verwüstung oder Sicherheit. Die Erde im Anthropozän, in: Brigitte Bertelmann, Klaus Heidel (Hrsg.): Leben im Anthropozän. Christliche Perspektiven für eine Kultur der Nachhaltigkeit, München 2018, S. 39 ff. Ebd. heißt es: »Die planetarischen Belastungsgrenzen bezeichnen in neun erdsystematischen Dimensionen, welche gemeinsam und in Wechselwirkung miteinander den Zustand der Erde als System charakterisieren, die maximale Abweichung der betreffenden erdsystematischen Größen von einem für das Holozän charakteristischen Zustand unter Berücksichtigung bestehender Unsicherheiten und des Vorsorgeprinzips.«(S. 48); vgl. zum gleichen Zusammenhang auch den EKD-Text: Evangelische Kirche in Deutschland: Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben. Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die Rolle der Kirchen. Impulspapier der Kammer für nachhaltige Entwicklung, EKD-Texte 130, Hannover 2018, S. 17 ff; https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/ekd_texte_130_2018.pdf.

[109]      Bei den Umwandlungsraten kommt es allerdings sehr stark auf die jeweiligen Produktionssysteme und Haltungssysteme an. Es macht einen Unterschied, ob Rinder oder andere Wiederkäuer auf Grünlandbasis gemästet werden (keine Konkurrenz zur menschlichen Ernährung) oder im Stall nur mit Mais und Soja aus der Ackerfläche.

[110]      http://www.bodenwelten.de/content/fl%C3 %A4chenverbrauch-trends-und-entwicklungen.

[111]      https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Fleischkonsum_web.pdf.

[112]      Vgl. http://www.wasserfussabdruck.org/?page=files/home.

[113]      http://www.bpb.de/apuz/29700/virtueller-wasserhandel-zur-ueberwindung-der-wasserkrise?p=all.

[114]      https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tiergesundheit/Tierarzneimittel/Lagebild%20Antibiotikaeinsatz%20bei%20Tieren%20Juli%202018.pdf?__blob=publicationFile.

[115]      https://www.bund.net/massentierhaltung/antibiotika/.

[116]      https://www.bvl.bund.de/DE/05_Tierarzneimittel/03_Tieraerzte/04_Therapiehaeufigkeit/Therapiehaeufigkeit_node.html.

[117]      http://worldtimes-online.com/news/403-unkontrollierter-g%C3 %BClle-tourismus-gef%C3 %A4hrdet-trinkwasser.html.

[118]      http://www.fr.de/wirtschaft/eu-klage-der-guelle-wahnsinn-a-741773.

[119]      https://www.regenwald.org/petitionen/673/reform-der-eu-agrarpolitik-die-futtermittelimporte-von-gen-soja-muessen-verboten-werden.

[120]      http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/fleisch-frisst-land/.

[121]      Vgl. auch den Weltagrarbericht 2014: https://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/fleisch-und-­futtermittel.html.

[122]      http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Methan_und_Lachgas_-_Langfassung.pdf.

[123]      https://www.boell.de/de/2018/01/11/die-fleischseite-des-klimawandels.

[124]      GRAIN and the Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP): Emissions Impossible: Wie Fleisch- und Milch-Giganten den Planeten aufheizen; https://www.iatp.org/sites/default/files/2018 – 09/Emissions%20impossible%20DE_f.pdf; vgl. auch: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-fleischkonzerne-co-emissionen-1.4058225.

[125]      Vgl. https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Umweltstiftung-kritisiert-Klimabilanz-der-Fleisch-und-Milchindustrie-­8839203.html; vgl. auch Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Global Forum for Food and Agriculture. Kommuniqué 2018 »Die Zukunft der tierischen Erzeugung gestalten – nachhaltig, verantwortungsbewusst, leistungsfähig«; https://www.gffa-berlin.de/.

[126]      http://www.footprint.at/index.php?id=2824.

[127]      https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Schmidt-Bedeutsamer-Meilenstein-fuer-eine-nachhaltige-und-leistungsfaehige-Tierhaltung-8991088.html.

[128]      https://ec.europa.eu/food/animals/health/strategy2007 – 2013_en.

[129]      https://ec.europa.eu/food/animals/health/regulation_en.

[130]      http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2017/583114/IPOL_STU(2017)583114_EN.pdf.

[131]      Vgl. Sabine Brels: Le droit du bien-être animal dans le monde: Évolution Et Universalisation; http://www.editions-harmattan.fr/index.asp?navig=catalogue&obj=livre&no=52995&razSqlClone=1.

[132]      In englisch: https://www.globalanimallaw.org/database/national/index.html.

[133]      https://www.globalanimallaw.org/database/national/index.html.

[134]      https://www.globalanimallaw.org/database/europe.html.

[135]      http://www.farm-europe.eu/news/reflections-on-the-evolution-of-the-european-regulation-on-animal-welfare-state-of-the-art-and-potential-improvements/.

[136]      https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Glossareintraege/T/tabaksteuer.html?view=renderHelp.

[137      https://www.tagesschau.de/inland/zucker-105.html.

[138]      Vgl. https://www.n-tv.de/wirtschaft/Britische-Zuckersteuer-wirkt-article20355841.html.

[139]      https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Gruene-und-SPD-prangern-Fleischkonsum-an-2740363.html; vgl. auch: https://www.openpetition.de/petition/argumente/steuerpolitik-fleischsteuer-wegen-kosten-fuer-lebensmittelkontrollen.

[140]      Marco Springmann et al.: Health-motivated taxes on red and processed meat: A modelling study on optimal tax levels and associated health impacts, in: Plos One, 6. November 2018; https://doi.org/10.1371/journal.pone.0204139.

[141]      Vgl. auch: https://www.morgenpost.de/ratgeber/article208921367/Warum-hoehere-Steuern-auf-Fleisch-sinnvoll-sein-
koennen.html
.

[142]      Vgl. u. a. https://futurism.com/experts-should-tax-meateaters-same-way-tax-smokers/.

[143]      https://www.theguardian.com/environment/2017/dec/11/meat-tax-inevitable-to-beat-climate-and-health-crises-says-report; vgl. auch: http://www.fairr.org/news-item/investors-urge-global-food-companies-cut-reliance-animal-proteins/.

[144]      http://www.europarl.europa.eu/news/en/news/en/press-room/20111012IPR29115/meps-call-for-vat-reforms-to-target-fraud-and-help-small-firms-and-green-goods.

[145]      https://weact.campact.de/petitions/okologische-mehrwertsteuerreform-fur-eine-wende-bei-nahrung-verkehr-energie-und-produktherstellung.

[146]      Fleischkonsum in China: Der Terminator steht auf Tofu. https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016 – 06/fleischkonsum-china-­regierung-regulierung?print.

[147]      Frank Waskow, Regine Rehaag: Globaler Ernährungswandel zwischen Hunger und Übergewicht; http://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband_2014/article/view/159.

[148]      Barry Michael Popkin (Leiter des interdisziplinären Zentrums für Adipositas an der Universität von North Carolina, Chapel Hill School of Public Health) hat das Konzept »Nutrition Transition« im Jahr 1993 zum ersten Mal unter dem Titel »Nutritional Patterns and Transitions« vorgestellt und seitdem in vielfältigen Länderstudien weiterentwickelt (Publikationen, www.cpc.unc.edu/projects/nutrans/popkin); vgl. u. a. auch: Barry Michael Popkin, Linda S. Adair and Shu Wen Ng: The Global Nutrition Transition: The Pandemic of Obesity in Developing Countries; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3257829/.

[149]      Frank Waskow, Regine Rehaag: Globaler Ernährungswandel zwischen Hunger und Übergewicht, S. 144 f; www.springer.com/cda/content/document/ . . ./w_30_5277.pdf.

[150]      Vgl. auch die wichtige Studie für den Deutschen Bundestag zur Veränderung der globalen Ernährungsgewohnheiten vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) im Rahmen des TA-Projekts »Welchen Beitrag kann die Forschung zur Lösung des Welternährungsproblems leisten?« https://www.katalyse.de/wp-content/uploads/2014/05/2010TAB_GutachtenWandelErnaehrungsgewohnheiten05_2014.pdf.

[151]      Die gleiche These vertritt eine internationale Expertenstudie von 37 Wissenschaftlern aus 16 Ländern, die das Thema behandelt: »Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems«, in: https://www.thelancet.com/commissions/EAT.

[152]      Vgl. https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Ethik-Experte-im-Interview-Wie-viel-Fleischkonsum-ist-vertretbar-id41421371.html.

[153]      https://www.dge.de/presse/pm/weniger-fleisch-auf-dem-teller-schont-das-klima/.

[154]      Vgl. u. a. https://ngin-food.com/artikel/supermeat-in-vitro-fleisch-israel/; https://www.zdf.de/nachrichten/heute-sendungen/­fleisch-aus-dem-reagenzglas-100.html; http://www.faz.net/aktuell/stil/essen-trinken/kuenstliches-fleisch-der-burger-aus-der-petrischale-14030839.html.

[155]      Vgl. https://www.weltagrarbericht.de/?id=2157.

[156]      Uwe Schneidewind: Die Große Transformation, Frankfurt a. M. 2018, S. 247 f.

[157]      Evangelische Kirche in Deutschland: Unser tägliches Brot gib uns heute. Neue Weichenstellung für Agrarentwicklung und Welternährung. Eine Studie der Kammer der EKD für nachhaltige Entwicklung, EKD-Texte 121, Hannover 2015, S. 166; https://www.ekd.de/ekd_texte_121.htm.